Muslime im Fleischwolf der Medien

 

Halbzeit bei der Islamwoche in Karlsruhe. Der Soziologe Constantin Wagner wandte sich einem heißen Eisen zu. “Islamophobie? Das Islambild in den Medien” war sein Thema.

Muslime in Deutschland haben es nicht leicht. Die Bevölkerung besitzt ein negatives Bild von ihnen. Thilo Sarrazins Buch “Deutschland schafft sich ab”, das Ängste vor Muslimen und Migranten schürt, ist das bestverkaufte Buch seit dem Zweiten Weltkrieg.

 

Die kopftuchtragende Akademikerin ist ein Problem.

“Dabei befinden wir uns gerade in einem Moment, in dem Integration funktioniert”, erklärte der Soziologe Constantin Wagner bei der Karlsruher Islamwoche. Doch die Tatsache, dass Muslime immer selbstverständlicher an der hiesigen Gesellschaft teilnehmen, kommt bei der Bevölkerung leider nicht unbedingt gut an. “Die kopftuchtragende Putzfrau war kein Problem, die kopftuchtragende Akademikerin schon.”

 

Bedrohlich wirkende Metaphern verstärken das Gefühl der Angst

Die ablehnende Haltung gegenüber Muslimen wird natürlich auch von den Medien befeuert, sagte Wagner. Dies war schon vor den Anschlägen des 11. September der Fall, aber seitdem hat die negative Berichterstattung zugenommen. “Die Medien zeigen nur Ausschnitte aus dem großen Ganzen, die dann für die ganze Wahrheit gehalten werden”, so der Soziologe. Journalisten sehen gewöhnlich die Dinge, die sie erwarten und ihre eigene Theorie bestätigen. Gegenbeispiele nehmen sie nicht wahr. So entsteht eine neue mediale Wirklichkeit.

Diese neue Wirklichkeit zeichnet ein äußerst schlechtes Bild von Muslimen. Denn die Medien verbinden Muslime, ihre Religion und deren Symbole ständig mit problematischen Themen wie gescheiterter Integration oder Terrorismus. Bedrohlich wirkende Metaphern verstärken das Gefühl der Angst. So ist immer wieder von einer “Flut von Einwanderern” die Rede. Dass Muslime in der Regel ganz normale Menschen sind, die ein ganz normales Leben führen, wird ausgeblendet. Ähnliche Darstellungen wie in den Medien finden sich auch in Schulbüchern, betonte Wagner. “Frauen mit Kopftuch werden zum Beispiel gezeigt, wenn es um Islam oder Integration geht, aber nicht als Teil der Normalität”, bedauerte er.

 

Arabischer Frühling ohne Muslime

Wie die deutschen Medien Muslime darstellen, zeigt sich aktuell beim Arabischen Frühling. Der wurde zu Beginn von den Medien bejubelt. Die Tatsache, dass sich Muslime gegen die Unterdrückung stellten, wurde aber ausgeblendet. Sie schienen nicht zum demokratischen Aufstand zu passen. Stattdessen wurde die Rolle westlicher Netzwerke wie Facebook und Twitter gefeiert.

Doch der Arabische Frühling verlief nicht wie erhofft. Die Begeisterung in den deutschen Medien ist verflogen. Jetzt berichten sie von Problemen in den betroffenen Ländern. Und jetzt sprechen sie auch wieder von Muslimen und dem Islam.

 

Der Artikel wurde auf iPUNKT-ONLINE veröffentlicht:

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